Damit wird eine völlig überzogene Erwartungshaltung an die Zentralbank kreiert. Große Enttäuschungen und heftige Kritik sind hier vorprogrammiert. Warum? Weil Inflation ein extrem vielschichtiges Phänomen ist – und die Zinspolitik der Notenbank nur ein winziger Teil in diesem Spiel.
Schauen wir uns doch mal die aktuelle US-Inflation von 3,5 % an: Gut 2/3 dieser Teuerung basieren auf Komponenten, auf die die Fed keinen Einfluss hat. Erstens die Energiepreise mit einem Beitrag von über einem Prozentpunkt. Zweitens die kalkulatorischen Wohnkosten (OER) ebenfalls mit einem Beitrag von über einem Prozentpunkt. Gerade das Konzept der OER ist völlig absurd: Es basiert auf rein fiktiven Annahmen, denen keinerlei tatsächliche Zahlungen oder Preise zugrunde liegen. Man kann sogar argumentieren, dass weitere Zinserhöhungen die Inflation aus dieser Komponente durch den Druck auf den Mietmarkt weiter erhöhen würden.
Was bleibt also übrig? Die primär nachfragegetriebene Dienstleistungsinflation, welche die Fed am ehesten beeinflussen kann, befindet sich mit einem Beitrag von unter einem Prozentpunkt bereits auf einem klaren Abwärtstrend. Industriegüter- und Nahrungsmittelinflation sind nicht bzw. kaum vorhanden. Unsere hausinterne Prognose zeigt zudem, dass sich ein Großteil der angebotsgetriebenen Inflation bis 2027 ohnehin „von selbst erledigen“ wird. Die Chancen stehen unseres Erachtens gut, dass die Inflation 2027 unter die 2 %-Marke fällt.
Die Idee von Warsh, auf eine explizite „Forward Guidance“ zu verzichten, ist für mich nachvollziehbar – ich habe dafür sogar eine gewisse Sympathie.
“Dennoch sollte der Sinn einer Pressekonferenz nach einer Zentralbanksitzung darin liegen, dass die Notenbank erläutert, warum sie welche Entscheidung getroffen hat und welche Parameter für sie entscheidend sind. Dies hat Warsh komplett versäumt. Letztlich kann man so auch auf die Pressekonferenz verzichten, da sie in dieser Form keinerlei Mehrwert bringt.”