Trumps Zwischenwahl-Kalkül
Wenige Wochen vor den Kongresswahlen im November steht Trump unter erheblichem innenpolitischen Druck. Höhere Öl- und Treibstoffpreise, die durch den Iran-Krieg angeheizt werden, sind im Wahlkampf pures Gift. Trump hat daher ein starkes Eigeninteresse an einer Beruhigung der Lage. Er will sich als pragmatischer „Macher“ und „Dealmaker“ auf der Weltbühne präsentieren anstatt als unberechenbarer Treiber neuer Konflikte.
Der diplomatische Hebel im Iran-Konflikt
Trump hat Xi bereits für Chinas militärische Neutralität im Iran-Krieg gedankt. Da Peking unter den blockierten Handelswegen in der Straße von Hormus selbst wirtschaftlich leidet, gibt es eine klare Schnittmenge. Gelingt es Trump, Chinas inoffizielle Ölimporte aus dem Iran über Zollanreize zu drosseln, könnte dies den Druck auf Teheran erhöhen, die Energiepreise stabilisieren und die Märkte massiv entlasten.
Verlängerung des Zoll-Waffenstillstands
Ein zentrales Ziel Pekings ist die Verlängerung des am 10. November auslaufenden Abkommens sowie Zollsenkungen auf nicht-sensitive Güter. Dass die USA neue Strafzölle auf Überkapazitäten bis jetzt zurückgehalten haben, zeigt die Verhandlungsbereitschaft beider Seiten in diesem Punkt.
Mögliche Quick-Wins bei Energie & Technologie
Erwartet wird ein Vorstoß zur Wiederbelebung des US-Flüssiggas-Handels (LNG) mit China im Wert von rund sechs Milliarden Dollar pro Jahr. Auch erste Fortschritte bei der KI-Governance oder das bloße Ausbleiben neuer Halbleiter-Exportkontrollen würden dem Tech-Sektor den nötigen Rückenwind geben.
Fazit:
Niemand erwartet eine sofortige Lösung aller strukturellen Probleme. Doch der gegenseitige politische Wille zur Schadensbegrenzung und Stabilisierung ist so hoch wie lange nicht mehr. Wenn der Gipfel den Grundstein für geordnete Handelsbeziehungen legt, könnte das am Aktienmarkt für eine deutliche Erleichterungsrallye sorgen.