Schultes "etwas anderer" View

Fed-Zinserhöhung im September: Risiko für Aktien?

Kevin Warsh hat sich festgelegt. Nach seiner extrem hawkishen Rede in Jackson Hole wird es im September eine Zinserhöhung geben. Andernfalls stünde die Glaubwürdigkeit der Notenbank auf dem Spiel. An der Börse heißt es oft: „Bullenmärkte sterben nicht an Altersschwäche, sondern werden von der Fed getötet. Ist es nun wieder soweit? Die Antwort lautet: Nein. Die monetären Konditionen in den USA wären auch nach einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte noch nicht restriktiv. Das lässt sich anhand von drei zentralen makroökonomischen Säulen belegen:

Rückkehr zur Neutralität

Aktuell liegt der reale Leitzins knapp unter dem realen Wirtschaftswachstum. Die Geldpolitik wirkt somit tendenziell leicht expansiv. Ein Zinsschritt im September hebt den kurzfristigen Realzins näher an das Niveau des realen Wachstums. Das ist ein Übergang zur Neutralität, aber noch nicht in den restriktiven Bereich (Hinweis für Theoretiker: wir berechnen den realen Leitzins anhand der 1-Jahres Inflationserwartung der Cleveland-Fed).

Wachsende Wirtschaft kompensiert hohe Zinsen

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen notiert bei rund 4,8 Prozent. Demgegenüber expandiert die US-Wirtschaft nominal mit über sechs Prozent p. a. Die fundamentale Regel bleibt intakt: Solange die langfristigen Nominalzinsen unter dem nominalen Wachstum liegen, bremsen die monetären Bedingungen die Wirtschaft nicht aus.

 

Kreditmarkt gibt Entwarnung

Eine überrestriktive Geldpolitik erzeugt Finanzierungsstress bei Unternehmen. Die Daten zeigen das Gegenteil. Die Risikoaufschläge (Credit Spreads) bewegen sich sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Bereich nahe den historischen Tiefständen von 2007. Der Kreditmarkt signalisiert absolute Entwarnung.
 

Fazit: EINE Zinserhöhung ist kein Problem, aber …

Eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im September kann die US-Wirtschaft problemlos verkraften. Kritisch wird es erst, wenn Warsh weitere Zinsschritte für den Spätherbst/Winter in Aussicht stellt. Dieses Szenario halten wir jedoch für unwahrscheinlich. Ab Q4 dürfte der Basiseffekt der Energiepreise auf die Inflation spürbar nachlassen. Dahinter wird ein weitaus günstigeres Inflationsbild sichtbar.

Dr. Eckhard Schulte

Fondsmanager

Seit Beginn seiner beruflichen Laufbahn im Jahr 1996 beschäftigt er sich mit makroökonomischen Analysen und den Rentenmärkten.

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