Schultes "etwas anderer" View

Keine Panik vor der Fed! Zinsen bleiben dieses Jahr, wo sie sind.

Nach der jüngsten geopolitischen Eskalation im Nahen Osten und dem sprunghaften Ölpreisanstieg spricht der Markt eine klare Sprache: Bis Oktober wird jetzt eine Zinserhöhung eingepreist. Unsere These dazu: Diese Erhöhung wird nicht kommen.

Hier sind die vier entscheidenden Gründe:

1️⃣ Angebotsschocks kann die Fed nicht „wegzinsen“! Das jüngste  Fed-Protokoll hat es auf den Punkt gebracht: Die aktuelle Inflation wird primär durch Angebotsschocks getrieben – Zölle, den Nahostkonflikt und die Rohstoffpreise. Gegen solche externen Schocks sind Zinserhöhungen wirkungslos. Die Fed weiß das.

2️⃣ AI-Boom ist strukturell disinflationär! Auch wenn der AI-Boom wie zuletzt bei Speicherchips partiell zu Preiserhöhungen und damit relativen Preisveränderungen führt, ist dieser aufgrund der Produktivitätssteigerungen strukturell disinflationär. Die US-Daten zur Arbeitsproduktivität zeigen dies bereits jetzt, und die Fed hat diesen Aspekt ebenfalls in ihrem Protokoll thematisiert. 

3️⃣ Truflation als Frühindikator signalisiert Entwarnung! Während die „offizielle“ PCE-Inflation weiter deutlich über der Zwei-Prozent-Marke liegt, lohnt ein Blick auf die Truflation. Dieser Indikator berücksichtigt einen breiteren Güterkorb, der täglich gemessen wird und vor allem den Mietpreisen weniger Bedeutung beimisst. Die Truflation ist daher tatsächlich näher am wirklichen Preisbild, kann als Vorlaufindikator interpretiert werden und zeigt uns schon heute, dass auch die „offizielle“ Inflation bald nach unten nachziehen wird. 

4️⃣ Und last but not least: Die Geldpolitik ist richtig kalibriert! Der aktuelle geldpolitische Kurs ist weitgehend neutral. Er bremst die Wirtschaft nicht ab, heizt sie aber auch nicht an. Das passt perfekt zum aktuellen Umfeld eines stabilen, aber nicht mehr inflationären Arbeitsmarktes.
 

Dr. Eckhard Schulte

Fondsmanager

Seit Beginn seiner beruflichen Laufbahn im Jahr 1996 beschäftigt er sich mit makroökonomischen Analysen und den Rentenmärkten.

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