Schultes Macro View

Revolution in Washington – Kevin Warsh krempelt Geldpolitik um

Kevin Warsh hat dem in den vergangenen Jahren dominierenden, stark steuernden und interventionistisch-keynesianischen geldpolitischen Ansatz, der mit Ben Bernanke seinen Siegeszug in der westlichen Welt antrat, gestern eine klare Absage erteilt. Stattdessen knüpft er an die Neue klassische Makroökonomie an. Deren Grundidee: Institutionen wie die Notenbank sollten sich möglichst zurückhalten, da sie die Effizienz der Finanzmärkte eher stören als verbessern. Damit kehrt Warsh geldpolitisch zu den Prinzipien der 1980er- und 1990er-Jahre zurück.

Mit seiner Absage an eigene Zinsprojektionen macht Warsh deutlich, dass er davon wenig hält. Auch kürzere Pressekonferenzen und insgesamt weniger Kommunikation passen in dieses Bild. Besonders spannend dürften die Ergebnisse der angekündigten Taskforces werden, die bis Jahresende Vorschläge zur künftigen Rolle der Fed-Bilanz vorlegen sollen. Konsequent zu Ende gedacht bedeutet dieser Ansatz auch das Ende des sogenannten „Fed-Put“.

“Bis zum Herbst dürfte es keine Zinsänderung geben. Danach wird neu bewertet werden müssen. Angesichts seines klaren Bekenntnisses zum Inflationsziel von zwei Prozent sind die Chancen auf eine Zinssenkung zum Jahresende allerdings eher gering.”

Die Ironie der Geschichte: Warsh steht wie kaum ein anderer für das Gegenteil einer stärkeren politischen Einflussnahme auf die Fed. Die vielen Diskussionen und Analysen über ein mögliches Ende der Unabhängigkeit der US-Notenbank wirken nach der gestrigen Pressekonferenz weitgehend gegenstandslos.

Dr. Eckhard Schulte

Fondsmanager

Seit Beginn seiner beruflichen Laufbahn im Jahr 1996 beschäftigt er sich mit makroökonomischen Analysen und den Rentenmärkten.

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