Im Ergebnis sollte das kommende Meeting zwar unveränderte Zinsen, aber den Wegfall des „Hangs zur Lockerung“ und damit einen hawkisheren Unterton mit sich bringen. Wirklich spannend wird aber, wie sich der neue Fed-Chair zu strukturellen Dingen positioniert.
Kürzere PKs, keine Forward Guidance, weniger Bedeutung für die Dots
Warsh ist ein bekannter Skeptiker von langfristigen Vorab-Festlegungen. Die Fed-Kommunikation wird sich verändern: kürzere Statements, weniger Signale für die Zukunft, dafür maximale diskretionäre Freiheit von Treffen zu Treffen. Gleichzeitig wird Warsh die Bedeutung der Projektionen der FOMC-Mitglieder weiter herunterspielen – denkbar sogar, dass er gar keine Projektion einreicht, um dies demonstrativ zu machen.
Das eigentliche Kernthema ist der Bilanzabbau (QT)
Warsh ist kein Freund davon, die Fed-Bilanz als Politikinstrument einzusetzen. Er wird klare Hinweise senden, dass er anstrebt, die Fed-Bilanz weiter zu verkürzen. Er könnte argumentieren, dass eine kleinere Bilanz den Inflationsdruck mittelfristig senkt und damit Spielraum für Zinssenkungen eröffnet. Tatsächlich dürften ihm aber die Knappheiten am Geldmarkt wenig Spielraum für eine weitere Bilanzreduktion lassen, da bereits im vergangenen Herbst die Liquiditätsreserven der Banken ein kritisches Niveau erreichten und Engpässe am Repo-Markt die Fed zu einer Anpassung ihres Kurses zwangen.
“Unter dem Strich dürfte Warshs Debüt kein Traumstart für die Finanzmärkte werden. Die Aktienmärkte müssen lernen, mit der Perspektive auf weniger Liquidität umzugehen. Schlimmstenfalls könnte sogar der Fed-Put infrage gestellt werden.”
Und für die Rentenmärkte bedeuten die endgültige Beerdigung des Konzeptes der Forward Guidance und der möglicherweise forcierte Bilanzabbau das Risiko, dass die Laufzeitprämien (Term Premia) bei US-Treasuries nach oben tendieren und damit die Zinskurve noch steiler wird.